Der Führerschein aus Polen
Mit Fahrschulen im Ausland umgehen
Tausende
den „Idiotentest“. EU-Regelung verpufft.

VON MARTIN RÜCKER |
HANNOVER.
Eigentlich baut Christian Wahi gerade eine Modelagentur auf – aber seinen lukrativen „Nebenverdienst“ aus Zeiten als Kommunikationsdesign-Student hat er behalten. Der 25-Jährige vermittelt vom Taunus aus Deutschen eine Fahrschule im polnischen Breslau. Insbesondere auch Verkehrssündern, denen der Lappen entzogen wurde und die in Deutschland erst den peinlichen Idiotentest bestehen müssten.

FÜHRERSCHEIN-FLUCHT: Wer aufwendigen Tests in Deutschland entgehen will, weicht ins Ausland aus. Foto: photothek.net
Deutschland besteht darauf, dass sich etwa Drogen- oder Alkoholsünder von einem Verkehrspsychologen oder -mediziner ihre Fahreignung bescheinigen lassen – also etwa ausreichende Reaktionsfähigkeit, Zuverlässigkeit und eben, dass der Fahrer Suchtprobleme in den Griff bekommen hat. In Breslau geht es auch bequemer.
„Umgehen Sie mit uns die teure Medizinische Psychologische Untersuchung“, wirbt Wahi ganz offen auf seiner Internetseite www.eu-fahrschulcenter.de. Bis zu 700 Deutsche melden sich bei ihm jährlich mit genau diesem Anliegen, sagt Wahi. Der Idiotentest ist peinlich, aufwendig und kann angesichts hoher Durchfallquoten auch teuer werden. Den polnischen Lappen gibt es über Wahi für 1820 Euro plus 250 Euro Wohnsitzgebühren an die polnischen Behörden. Die sind nötig, weil nur der einen polnischen Führerschein machen darf, der auch in Polen „wohnt“.
Der Ablauf ist simpel: einmal nach Polen fahren und den Antrag auf eine Bürgerkarte ausfüllen. Die Meldeadresse besorgt die Fahrschule. Nach drei bis fünf Wochen ist die Karte da, es kann losgehen – Hotelunterbringung ist im Preis inbegriffen. Alles ist bestens organisiert, Fahrschule und Prüfer sprechen deutsch, nach zehn bis zwölf Tagen Intensivkurs folgt schon die Prüfung.
Neben Untersuchungsflüchtlingen vermittelt Wahi auch Fahranfänger – rund 800 im Jahr, sagt er, „weil es billiger ist und schneller geht“. Und weil es in Polen keine Probezeit gibt. Wer statt im Hotel in der Jugendherberge wohnt, bezahlt nur 1400 Euro, sagt der Vermittler, auch das Nachtleben Breslaus empfiehlt er als „Standort-Vorteil“.
Und dann gebe es eine dritte Gruppe, etwa 20 Personen jährlich: „Geschäftsleute, die zu viele Punkte haben, lassen ihren Führerschein umschreiben.“ Damit sinkt das Risiko eines Führerscheinentzugs, und bei der Versicherung machen sich Punkte in Flensburg auch nicht so gut.
Quelle: Neue Presse Hannover / 15122006
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